Titel Stadt und Steine

 

Stadt und Steine

Über die Zwanziger Jahre

 

 

Das Wachsen der Städte, Kapitalismus, Straßenkämpfe, Wirtschaftskrisen, traumatische Folgen des Ersten Weltkrieges, Antisemitismus:

 

Sachbücher, Bildbände, Musik- und andere Tonaufnahmen aus und über die Zwanziger Jahre gibt es viel und wird es in den nächsten Jahren in steigendem Maß geben, denn dieses außergewöhnliche Jahrzehnt liegt nun genau einhundert Jahre zurück.

 

Mein Zyklus über diese Zeit ist ein Gedichtzyklus. Wie soll das gehen, Gedichte über eine historische Epoche zu schreiben, die der Dichter selbst gar nicht erlebt hat? Wenn es nachprüfbar stimmt, was er schreibt, dann muss er ein Sachbuch schreiben. Denn in der Lyrik muss alles stimmen, nur die Tatsachen müssen es nicht. Wenn also das Thema der Lyrik ein sachliches ist, so ist das ein Widerspruch in sich, denn Lyrik benutzt Daten und Fakten für etwas anderes, für eine Darstellung von Gefühlen, inneren Regungen, und um diese dem Leser zu geben, benutzt ein Gedicht Daten, bei denen der Umstand, dass sie nicht stimmen können, wiederum eine Aussage ist. Lyrik ist nicht richtig oder falsch, sondern wahr oder unwahr, sie muss nicht stimmen, aber sie muss stimmig sein.

 

Dieser Zyklus aus Gedichten ist der Versuch, Stimmungen der Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts einzufangen. Diese Stimmungen einer Epoche sind etwas anderes als historische Tatsachen. Geschichte wiederholt sich nicht, aber in den Stimmungen von vergangenen Epochen haben wir etwas Gemeinsames mit ihnen.

Der Zyklus mit dem Titel „Stadt und Steine“ besteht aus sieben Gedichten zu je zwölf Strophen. Das Ebenmaß signalisiert schon das von Gebäuden einer Stadt. Sie ist aus Steinen errichtet.

Das Und im Titel ist Programm. Dem sinnvoll klingenden Titel Stadt aus Steinen fehlt die Stimmung, die im Und sich als zentrales Wort ankündigt.

 

Den sieben Zyklen folgt ein Anmerkungsteil, in dem wenigstens die wichtigsten Bezüge oder Erklärungen gegeben werden, aber längst nicht alle. Diese Gedichte sind auch ohne Kenntnis der Zwanziger Jahre zu verstehen. Dass wir etwas verstehen können aus alter Zeit, das ist das Überhistorische an dem Gedanken, dass sich die Geschichte durchaus wiederholen kann.

Bald erhältlich.